Dietmar Paul

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Dietmar Paul
Wiesenweg 20
51503 Rösrath

Tel. 02205-4928

Am Busen schmusen

(2012)

 

Ich steh vor dir

Du breitest dich hier aus

Bist glatt, dann wieder kraus

Weht der Wind

Über Deine nackte Haut.

 

Die Sehnsucht treibt mich zu Dir hin

Dein Anblick macht mich sehnsuchtsvoll

An Deinem Busen schmusen

Mich in Dir zu baden

Und in Dir versinken.

 

Die Sonne sieht uns zu

Da drüben

Ach, wäre das so schön

Doch jetzt zu dieser Zeit

Ist es etwas kalt.

 

Ich flüchte, weiche

An diese weiße, weiche,

warme Brust da drinnen

In der warmen Stube

Wartet Marie auf mich.

 

Ich geh mit ihr nach hinnen

Da sind wir ungestört

Und ungehört

Wir werden später schmusen

Mein Jadebusen.

 

 

Kopfgeburt


Eine nicht geschriebene Geschichte

ist im Kopf

wie verbrannte Brötchen im Backofen

 

 

Paradoxien

 

Paradox ist …

 

 wenn Leute im Billiglohnsektor private Vorsorge treiben sollen.

 

 wenn eine Frau zum Ausziehen anziehend ist.

 

 Wenn ausländische Investoren an Deutschland die gute Infrastruktur loben und gleichzeitig über die hohen Steuern klagen.

 

 Wenn das Lebe so ernst ist, das man es nicht ernst nehmen sollte.

 

 

Stürmische Nacht

 

Der Wind fegt

ums Haus - etwas klappert

und schlägt - weckt auf

das Licht

der Laternen flackert

durch die Jalousie

 

Kleine Lichtkreise

an der Wand

und im Gesicht

zum Fenster hin

hin und her

sie flackern nicht

- es tanzt

 

Es tanzt im Kreis

auf meinem Gesicht

ein Hauch

auf meiner Haut

dunkel ist der Raum

 

Vor dem Heulen des Windes

ich höre es, ich höre es

wispert es hier drin

um mich herum

leise Stimmen

 

Kleine Lichtkreise

zum Fenster hin

das Wispern wie

kleine Seufzer

 

Mach auf das Fenster

lass uns raus

tanzt es um mich

herum, mach auf

 

Nachtschlafverwirrung

so fein flackern

nicht Laternen

im größten Sturm

 

Licht - kein Wispern mehr

im Bild an der Wand

die kleinen Baumgeister

vom Lüderich

haben sie nicht geblinzelt?

 

 

Zufällige Begegnung

 

Der jüngere Mann stand ratlos auf dem Bahnsteig der Vorortstraßenbahn. Es fuhr keine Bahn, keine Straßenbahn, kein Bus, keine U-Bahn. „Fahren Sie mit der Deutschen Bahn. Regionalbahnen und S-Bahnen fahren“ war auf der Anzeigetafel zu erfahren.

Es gab Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr und Köln war fast immer betroffen. Oft passierte das ja nicht in diesem Land, aber auch diese wenigen Male waren manchen schon zu viel. Die Kritik an den öffentlichen Dingen, und sei es das Verkehrswesen, war immer noch en vogue.

Der jüngere Mann saß am Stadtrand der ihm fremden Stadt fest. Dabei hatte er hatte diese Fahrt akkurat im Internet geplant und gebucht. Einen Hinweis auf den Warnstreik hatte er dort nicht gefunden oder nicht gesucht. Er musste nun nach Düsseldorf, zum Flughafen. In der Mittagszeit ging sein Flieger zurück nach Hause.

Ein älterer Mann war ebenfalls an der Straßenbahnendhaltestelle gestrandet. Er hatte früh am Vormittag in die Stadt ins Zentrum fahren wollen, um sich gute Karten für ein Konzert zu sichern. Wegen des ihm bekannten Warnstreiks war er rechtzeitig morgens in sein Auto gestiegen. Aber das erwies sich als Illusion. Denn in Sichtweite seiner Auffahrt zur Autobahn sah er den Verkehr auf der Autobahn stehen, es bewegte sich nichts, alle wollten nun mit dem Wagen in die Stadt. Es ging nichts. Keine Chancen mehr auf die besten Karten, wenn überhaupt. Aber die Regionalbahn fuhr ja noch. Der Ältere war so schnell entschlossen, es in jedem Fall mit den Karten zu versuchen, auch wenn es nicht mehr die Besten sein würden.

 

Der Ältere kam mit dem Jüngeren ins Gespräch. Er wies auf die fahrende Regionalbahn hin und bot dem Jüngeren an, ihn mit zum nächsten Bahnhof zu nehmen. Zeit, den Flug zu erreichen, gab es für den Jüngeren noch genug.

Hatte der Warnstreik die Tagesplanung des Älteren mit dem obersten Tagesziel, an gute Konzertkarten zu kommen, torpediert, so war die durcheinandergebrachte Planung für die Rückfahrt für den Jüngeren nur das i-Tüpfelchen auf eine Reise mit frustrierendem, ja desaströsem Ausgang.

Der Jüngere war auf der Rückkehr von einem Bewerbungstermin am Vortag. Ja, Termin und kein Bewerbungsgespräch, denn der Gesprächstermin war geplatzt.

Eine global operierende Headhunter-Agentur hatte ihm diesen Termin vermittelt, in Düsseldorf. Der Jüngere, ein hochqualifizierter Akademiker am Anfang seiner Berufskarriere, hatte große Hoffnung in diesen Termin gesetzt. Es hatte ihm schon viel bedeutet, das Interesse dieser Agentur geweckt zu haben. Und dieser Termin war sehr schnell gekommen.

Er war dann nach Düsseldorf zum vereinbarten Termin geflogen. Übernachtet hatte er bei einem Freund in Köln, das sparte ihm die Kosten für das Hotel. Er war am vereinbarten Montag vor Ort in Düsseldorf. Da stellte sich aber heraus, sein Gesprächspartner erwartete ihn zur vereinbarten Uhrzeit in Köln, nicht in Düsseldorf. Ein Versehen der englischen Agentur, sie hatte die Orte verwechselt, Köln und Düsseldorf liegen ja nahe beieinander.

Sorry, ein bedauerndes Schulterzucken. Ein kurzfristiges Nachholen des Gesprächs ginge leider nicht. Der Gesprächspartner habe die restliche Woche leider keine Zeit mehr, sei dann eine Woche in Urlaub. Einen neuen Termin könne man leider erst nach dieser Urlaubswoche vereinbaren.

Auf seinen Reisekosten bleibe er auch erst einmal sitzen, meinte der Jüngere.

Und wenn er jetzt auch noch den Rückflug verpasste....

Sie erreichten die Bahn, sie fuhr ungeachtet des Streiks um sie herum wie gewohnt.

Der Ältere kam noch zu Karten, mit denen er zufrieden sein konnte.

Der Jüngere kam wie geplant nach Hause.

Zu einem neuen Vorstellungstermin aber kam er nicht mehr.

Als er dann nach dem Urlaub seines Gesprächspartners einen neuen Termin vereinbaren wollte, teilte ihm die Agentur mit Bedauern mit, das die Stelle nicht mehr vakant sei, das der Gesprächspartner sich mittlerweile kurzfristig anders entschieden habe. Über die Reisekosten könne man selbstverständlich reden.

 

 

 

 

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Vita